Von der Schieflage der öffentlichen Debatte um muslimische Selbstorganisation – und der Tragik, gefallen zu wollen
In ihrem Artikel „Der Gott der anderen“ in der ZEIT vom 24.09.2015 versucht Mariam Lau eine Analyse der islamischen Verbandslandschaft und wagt einen Blick in die Zukunft der muslimischen Selbstorganisation. Dieser Beitrag ist wichtig, verdichtet sich in ihm doch die öffentliche Wahrnehmung der muslimischen Organisationen und eine charakteristische Haltung der Medien und der Politik im Umgang mit ihnen in einer exemplarischen Janusköpfigkeit, unter der die Debatte über den Islam seit geraumer Zeit unbemerkt leidet.
So treffend sich in dem ZEIT-Beitrag die Wiedergabe der öffentlichen Wahrnehmung der muslimischen Verbände darstellt, so inhaltlich unzutreffend gestalten sich die daraus resultierenden Prognosen und Schlussfolgerungen. Das ist für Kenner der muslimischen Selbstorganisation nicht verwunderlich. Denn die öffentliche Meinung über die Verbände – perpetuiert durch immer gleiche Zuschreibungen – beruht schon seit Langem auf gravierenden Fehlwahrnehmungen.
Diese Bewertung mag auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar sein. Sie erschließt sich erst mit einer Beobachtung, die in der öffentlichen Debatte über den Islam in Deutschland bislang vernachlässigt bleibt. Sie ist aber symptomatisch für das politische Handeln und damit für die mediale Reflexion gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.