Monthly archives of “Juni 2026

Koran oder Grundgesetz – Was nach Lanz zu sagen bleibt

Die Sendung vom 16. Juni 2026 bei Markus Lanz war einer jener seltenen Momente im öffentlichen Fernsehen, in denen eine Debatte tatsächlich das berührte, worum es geht. Ich frage mich allerdings, ob das den Beteiligten während der Sendung auch wirklich bewusst war. Denn je länger die Sendung dauerte, desto deutlicher wurde ein Muster, das ich für symptomatisch in den Debatten um den Islam und muslimisches Leben in Deutschland halte. Die Gäste schienen zu glauben, es reiche, ihre Schlagworte in den Ring zu werfen und ihr jeweiliges Publikum werde schon wissen, dass damit alles Wesentliche gesagt sei. Auf der einen Seite „Unterwanderung“, auf der anderen „antimuslimischer Rassismus“. Beide Begriffe stehen für reale Phänomene. Aber als Debattenbeiträge funktionieren sie vor allem als Signale an die eigene Seite und nicht als Argumente, die etwas erklären oder voranbringen. So kommen wir nicht weiter. Dieser Text ist der Versuch, einige der Fragen, die die Sendung aufgeworfen und offengelassen hat, etwas genauer zu stellen und zu präzisieren.

20 Jahre DIK – Wer Augenhöhe fordert, muss sie aushalten

Sulaiman Wilms, Chefredakteur der Islamischen Zeitung (IZ), hat zum zwanzigjährigen Bestehen der Deutschen Islam Konferenz (DIK) einen Text veröffentlicht, in dem er kritisch auf die vergangenen Jahre dieses Formats zurückblickt: Muslime würden von der DIK nicht als Partner, sondern als Risikofaktor wahrgenommen, das Forum sei von einem Ort des Dialogs zu einer Bühne des Misstrauens geworden, der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und seine Basis würden ignoriert.

Man kann diskutieren, ob das alles so stimmt und dabei unterschiedlicher Meinung sein. Was man nicht diskutieren kann, ist die Tatsache, dass diese Analyse unvollständig ist. Sie hat einen blinden Fleck, der für die muslimischen Positionen zur DIK symptomatisch ist. Denn Wilms tut so, als hätten die Verbände, die im KRM organisiert sind, mit dem Zustand, den er und sie beklagen, nichts zu tun. Für einen Chefredakteur, der sich dem innermuslimischen Diskurs verschrieben hat, ist das eine bemerkenswerte Leerstelle. Diese Leerstelle ist exemplarisch für eine weit verbreitete Vermeidungshaltung innerhalb der muslimischen Communitys – und damit eine Motivation für mich, sie mit diesem Beitrag auszuleuchten.