20 Jahre DIK – Wer Augenhöhe fordert, muss sie aushalten

Sulaiman Wilms, Chefredakteur der Islamischen Zeitung (IZ), hat zum zwanzigjährigen Bestehen der Deutschen Islam Konferenz (DIK) einen Text veröffentlicht, in dem er kritisch auf die vergangenen Jahre dieses Formats zurückblickt: Muslime würden von der DIK nicht als Partner, sondern als Risikofaktor wahrgenommen, das Forum sei von einem Ort des Dialogs zu einer Bühne des Misstrauens geworden, der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und seine Basis würden ignoriert.

Man kann diskutieren, ob das alles so stimmt und dabei unterschiedlicher Meinung sein. Was man nicht diskutieren kann, ist die Tatsache, dass diese Analyse unvollständig ist. Sie hat einen blinden Fleck, der für die muslimischen Positionen zur DIK symptomatisch ist. Denn Wilms tut so, als hätten die Verbände, die im KRM organisiert sind, mit dem Zustand, den er und sie beklagen, nichts zu tun. Für einen Chefredakteur, der sich dem innermuslimischen Diskurs verschrieben hat, ist das eine bemerkenswerte Leerstelle. Diese Leerstelle ist exemplarisch für eine weit verbreitete Vermeidungshaltung innerhalb der muslimischen Communitys – und damit eine Motivation für mich, sie mit diesem Beitrag auszuleuchten.

Was Ankara wirklich will: Ein Parlamentsprotokoll und was es für die deutsche Religionspolitik bedeutet

Am 2. April 2026 hat der Außenpolitikausschuss der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) eine Sitzung seiner „Unterkommission für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften“ abgehalten. Gegenstand war eine Präsentation des Generaldirektors für Außenbeziehungen der Diyanet İşleri Başkanlığı (Diyanet), Ensari Yentürk, zu den Auslandsaktivitäten der türkischen Religionsbehörde. Das Protokoll dieser Sitzung ist öffentlich zugänglich. Allerdings auf Türkisch und damit für die meisten deutschen Beobachter nicht ohne Weiteres lesbar.

Differenzierung als Leerformel

Benjamin Idriz hat Bundeskanzler Friedrich Merz zwei öffentliche Texte gewidmet. Einen offenen Brief, in dem er Merz’ Aussagen zum Frauenbild im Islam als begrifflich unscharf kritisiert und sich und seine Gemeinde als Gegenmodell anbietet. Und einen Folgetext, in dem er die Antwort des Bundeskanzleramts als inhaltliche Verweigerung bewertet und die Gelegenheit nutzt, sich erneut als den Dialogbereiten zu positionieren, dem man nicht begegnet. Beide Texte sind auf Idriz‘ Social Media Accounts einsehbar.

Das Straßenbild der muslimischen Gemeinschaften

Drei Stimmen in der Gesamtheit der muslimischen Communities in Deutschland, also unter insgesamt etwa 5 Mio. Menschen, sind ein so großes Problem, dass in meinen Social Media Accounts erneut gehäufte persönliche Anfeindungen zu lesen sind. Muslimische Gemeinschaften, die es nicht aushalten, von drei Stimmen hinterfragt und kritisiert zu werden. Das offenbart Zustände, die es wert sind, näher beleuchtet zu werden.

deutschlandsolidarisch

Vier Tage nach dem Tag der Deutschen Einheit jährt sich das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Diese beiden Tage geben Anlass, darüber nachzudenken, wie geeint oder wie geteilt unser Land tatsächlich ist. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt meiner zurückliegenden über 50 Lebensjahre so sehr das Gefühl, dass die gesellschaftlichen Fliehkräfte, die uns auseinandertreiben, zukünftig die Bedingungen unseres Zusammenlebens dominieren werden.

„Ja, aber Israel…“ – Ein innermuslimischer Disput über Gaza und Antisemitismus

Der von mir sehr geschätzte Hakan Turan hat einen Blogtext veröffentlicht, in welchem er sich mit der Debatte über Antisemitismus unter Muslimen im Kontext des Gaza Krieges auseinandersetzt. Er hat den Text in einem ironischen und auch etwas polemischen Stil als Liste von „Tipps“ formuliert, „Wie man sich erfolgreich muslimische Antisemiten heranzieht“ – so auch der Titel seiner Blog-Kolumne, die hier zu finden ist.

Nicht von dieser Welt

Dieser Text wurde erstmals veröffentlicht in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (www.bpb.de/apuz):

Muslimisches Selbstverständnis, Islamismus und die Rolle der Islamverbände

„Islamismus“, so die Definition des Bundesministeriums des Innern und für Heimat, „ist eine Form des Extremismus. Unter Berufung auf den Islam zielt er auf die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ab und basiert auf der Überzeugung, dass der Islam Grundlage für das gesellschaftliche Leben und die politische Ordnung sein sollte.

Warten auf Religionsgemeinschaften

Montag, der 27.01.2025, war der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Er wurde vor 20 Jahren eingeführt. In diesem Jahr erinnert er an den 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.

Keiner der großen muslimischen Verbände in Deutschland hat sich an diesem Gedenken beteiligt. Auf keiner ihrer offiziellen Webseiten ist eine Pressemitteilung oder ein Beitrag zu der Bedeutung dieses Tages zu finden. Bei der DITIB nicht. Nicht bei der IGMG. Nicht beim sogenannten ZMD. Beim VIKZ nicht. Und auch der KRM koordiniert an diesem Tag nur das Schweigen der muslimischen Verbände.

Bangen nach jedem Anschlag

(Anm.: Der folgende Text ist als Essay in der SPIEGEL CHRONIK 2024 und online veröffentlicht worden.)

Ich kann mich noch sehr präzise an den Moment erinnern, an dem mein Bewusstsein für die muslimische Facette meiner Persönlichkeit, meine öffentliche Wirkung als Muslim und auch mein Verhältnis zu meinem nicht muslimischen sozialen Umfeld sich schlagartig verändert haben: Es war der 11. September 2001, kurz vor 15 Uhr.