Der Begriff der Reform oder historisch noch spezifischer der Reformation prägt seit geraumer Zeit die Islam-Debatten in Deutschland. Einen Höhepunkt dieser Entwicklung markieren die aktuellen Berichterstattungen zur weiteren staatlichen Förderung der universitären islamischen Theologie. Darin finden sich vielfach entlarvende Formulierungen über die universitäre Lehre als vermeintliche „Reformtheologie“. Diese Signale werden im akademischen Feld und in der skurrilen Szene der „Islamexperten“ sehr wohl verstanden und dort auch mehr oder weniger feingeistig in die Tat umgesetzt.
So scheint mittlerweile jede akademische Beschäftigung mit dem Islam nur dann gerechtfertigt zu sein und kann sie sich der weiteren finanziellen und politischen Förderung nur dann gewiss sein, wenn sie sich den Lack der Reformtheologie überpinselt.
Ebenso wissen die „Islamexperten“ ihre Auftragsbücher gefüllt und das nächste Honorar überwiesen, je deftiger sie die vermeintliche Reformbedürftigkeit des Islam propagieren.
Dabei ist die thematische Seichtigkeit der öffentlichen Debatte einer Gesellschaft, die sich als aufgeklärt begreift, derart unwürdig und die Substanz der Reformproklamationen unhinterfragt derart flüchtig, dass man sich fragt, wann die Unwürdigkeit dieser Debattenkultur und die groteske Widersprüchlichkeit ihres Anspruchs, Verinnerlichung einer vermeintlichen Leitkultur zu sein, denn endlich erkannt werden.