Strategische Partner

In der „WELT“ veröffentlichte jüngst Ahmad Mansour einen „Zehn-Punkte-Plan gegen den Islamismus“. Der Beitrag wurde unter der Rubrik „Debatte“ veröffentlicht. Gut, debattieren wir. Einige der angesprochenen Punkte und Vorschläge sind mir sympathisch. Sensibilisierung von Pädagogen, Eltern, staatlichen Institutionen, die Professionalisierung…

„Never forget Srebrenica!“?

Heute ist der 11.07.2017. Es ist der Gedenktag an das Massaker von Srebrenica, das vor 22 Jahren verübt wurde. Auch dieses Jahr wurden auf dem Friedhof von Potocari, dem Ort der Gedenkstätte an dieses Verbrechen, Opfer beerdigt, deren Identität erst jetzt festgestellt werden konnte. Noch immer werden Opfer offiziell „vermisst“, sind die Identitäten von vielen in Massengräbern entdeckten Opfern ungeklärt.

Aslangate

Das Wiener Stadtmagazin „Der Falter“ berichtet jüngst über einen Skandal, der die politische und universitäre Landschaft Österreichs erschüttert. Die Vorgänge sind derart ungeheuerlich und in ihrer Rezeption auch in der deutschen universitären Szene so abenteuerlich, dass an dieser Stelle auch ein Wort aus deutscher Perspektive zu den Vorgängen erforderlich ist.

Der Falter hat offengelegt, dass eine Studie des Wiener Religionspädagogen Ednan Aslan im Korrekturmodus des elektronischen Dokuments massive inhaltliche Änderungen aufweist, die auf eine gezielte Veränderung der Studie durch hohe Beamte des österreichischen Außen- und Integrationsministeriums hindeuten. Verantwortlicher Minister ist Sebastian Kurz.

Aufatmen – Ein notwendiger Abschied

Selbstkritische Reflexion ist eine der Aufgaben im Ramadan. In dem letzten Freitagswort zum Ende des Ramadan fragen die Autoren: „Wie viele segensreiche Taten haben wir vollbracht, damit die Gesellschaft, in der wir leben, eine bessere und glücklichere ist, als sie es zum Beginn des Ramadan war?“

Diesen Maßstab will ich im Zuge einer ganz persönlichen Ramadan-Bilanz auch an meine Texte auf diesem Blog anlegen. Als ich mit den Veröffentlichungen begann, sollte dieser Blog auch ein Sprachrohr für die Frustration in weiten Teilen der muslimischen Gemeinschaft – insbesondere unter jungen Muslimen – sein. Er sollte eine Plattform sein, auf der sich die Gefühle und Stimmen junger Muslime, denen ich im Laufe der verbandlichen Jugendarbeit begegnet bin und die sich über Ausgrenzung und Stigmatisierung beklagten, einen Weg in die Öffentlichkeit bahnen.

Onkel-Tom-Türken und die neue German Angst

Durchatmen. Anschläge, Wutreden, Demonstrationsaufrufe, demonstrative Absagen, Erwartungen, Enttäuschungen, Schönfärber, Schlechtmacher, Moschee mit beschränkter Haftung, Politik mit verschränkter Drohung, Boulevard mit schräger Haltung. Dabei fasten und versuchen, den Verstand nicht zu verlieren. Anstrengende Tage. Erstmal durchatmen.

Die Ereignisse der letzten Tage bieten viele Möglichkeiten, durch akkurate Analyse und offene Debatte die Zukunft unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens positiv zu beeinflussen. Die Erfahrung lehrt, dass diese Möglichkeiten ungenutzt verstreichen werden. Dieser Text will ein kleines Aufbäumen gegen diese Erfahrung sein. Zu diesem Zweck soll angerissen werden, wo und wie wir uns selbst häufig im Weg stehen – in der Hoffnung, dass sich daraus konstruktive Debatten ergeben.

Nicht mit uns?

Man muss Lamya Kaddor dankbar sein. Ihre Initiative für eine Großdemonstration in Köln hat – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – viele Probleme sichtbar werden lassen. In ihren eigenen Reihen, in den Reihen ihrer Unterstützer und bei allen, die dem Aufruf ablehnend gegenüberstanden.

Den guten Willen, ein Zeichen gegen Gewalt und für eine geeinte Gesellschaft setzen zu wollen, darf man niemandem absprechen. Dieser gute Vorsatz sei allen unterstellt, die sich an der Initiative und den Diskussionen darüber beteiligt haben.

Gleichwohl hat das Scheinwerferlicht dieser Aktion viele Ecken ausgeleuchtet, die sonst eher im Dunkeln bleiben. Diese kurzen Momente des Sichtbarwerdens von Verwerfungen der „Islamdebatte“ gilt es, in diesem Beitrag zu besprechen.

Hass, Heimat, Hoffnung

Unter dem Eindruck aktueller deutscher, türkischer, deutsch-türkischer, türkisch-deutscher Debatten ein Auszug aus: Max Frisch, Tagebücher 1966–71, Frankfurt a.M.

 

„1. Frage: Wenn Sie sich in der Fremde aufhalten und Landsleute treffen: Befällt Sie dann Heimweh oder dann gerade nicht?

 

2. Frage: Hat Heimat für Sie eine Flagge?

 

Durchgefallen

„Statt uns damit zu beschäftigen, wie sich andere verhalten oder gar wie fromm sie sind, müssen wir uns damit beschäftigen, inwieweit wir selbst gute Menschen, gute Gläubige sind.“

„Es ist zutreffend, dass wir als Gesellschaft auseinanderdriften, dass wir Zorn für einander empfinden. Für den Anspruch einer sozialen Einheit und Gemeinschaft sind das Alarmsignale. Die Gesellschaften im Nahen Osten sind Pulverfässer. Den Zorn, den sie für einander empfinden, drücken sie durch konfessionelle Abgrenzung, durch religiöse Empfindlichkeit oder durch die Ausgrenzung des „Anderen“ aus; über solche Unterschiede werden Identitäten gestaltet. Ein Teil der islamischen Welt, zum Beispiel der schiitische Teil, lädt sich seit 13 Jahrhunderten mit dieser Art von Zorn auf. Dieser Zorn fügt dann aber auch ihnen selbst Schaden zu. Und auch im sunnitischen Teil erleben wir ständig die Ausgrenzung „Anderer“ und den Zorn. Wenn das so weitergeht, wird dieses Feuer auch unser Heim erfassen und uns zerreißen.“

Manchester Molenbeek

Ein Selbstmordattentäter hat in Manchester 22 Menschen getötet und 59 weitere verletzt. Die Opfer sind Besucher eines Popkonzertes, darunter viele Kinder und Jugendliche. Angesichts dieser Tatsache haben sich einige mediale Kommentatoren zu der Bewertung hinreißen lassen, es handele sich um eine „neue Qualität“ des Terrors, der sich jetzt auch gezielt gegen Kinder richte. Was in dieser Wahrnehmung mitschwingt, ist die Vorstellung, zur Niedertracht und Menschenverachtung sei nur das Böse fähig, das uns fremd ist, das vermeintlich nicht unserem Wesen entspricht. Julian Reichelt will in seinem aktuellen Kommentar in der BILD – getragen von eben dieser Wahrnehmung – hier eine religiöse Differenzierung vornehmen.