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Sein wollen, was man nicht sein darf

Das hessische Kultusministerium hat vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass die Vollziehung des Bescheides von 2012 zur Einrichtung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts in Kooperation mit Ditib Hessen zum Ende des laufenden Schuljahres ausgesetzt wird. Als Grund für diese Aussetzungsentscheidung werden Zweifel an der Erfüllung der notwendigen Kriterien durch Ditib Hessen angeführt. Es geht insbesondere darum, dass Ditib Hessen die Zweifel an ihrer hinreichenden Unabhängigkeit vom türkischen Staat nicht ausräumen konnte.

Verstaubte Verwaltungsbeamte des Islam

Die aktuellen Herausforderungen der Corona-Krise sind gleichzeitig auch eine Herausforderung des organisierten Islam in Deutschland.

Seit knapp zwei Monaten zeichnet sich ab, dass wir alle in unterschiedlichen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens vor Problemen stehen, die bisher – zumindest in unserer Generation – ohne Beispiel oder bisher durchlebte Erfahrung sind. Niemand von uns weiß, was der ideale Weg ist, der Pandemie zu begegnen, ihre Folgen für die Gesellschaft und unser Gesundheitssystem soweit zu mindern, dass keine akute Notlage eintritt.

Revolution oder Missverständnis?

Alle blicken wir wie gebannt seit Tagen und Wochen auf die Entwicklung der Coronakrise. Das ist angesichts der Dimensionen dieser Krise auch nachvollziehbar. Allerdings geraten dabei  Entwicklungen auf anderen Gebieten, die unser Zusammenleben beeinflussen, aus dem Blick. 

So veröffentlichten am 01. April der Ditib Landesverband in Rheinland-Pfalz über die Webseite des Ditib Bundesverbandes und die rheinland-pfälzische Landesregierung durch das zuständige Wissenschaftsministerium jeweils eigene Presseerklärungen.

Corona – Sind die muslimischen Verbände auf die steigende Zahl von Sterbefällen ausreichend vorbereitet?

Wir erleben in diesen Tagen und Wochen, wie brüchig und unbeherrschbar vermeintliche Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten des Alltages eigentlich sind. Was wir uns vorgenommen haben, was wir planen und wie wir uns unser Leben im Jahresverlauf vorgestellt haben – all das wird nun ganz plötzlich auf den Kopf gestellt.

Uns werden Themen ganz deutlich vor Augen geführt, die wir sonst in unserem Alltag häufig verdrängen. Unsere Vergänglichkeit, die schicksalhaften Wendungen, die unser Leben nehmen kann, uns auch an die Grenze des Todes führen kann, werden uns in diesen Tagen viel deutlicher bewusst. Und leider gehört es auch zu unseren menschlichen Zügen, solche Themen zu verdrängen.

Islam in Deutschland – Die Entwicklung der letzten 5 Jahre – Teil 2

(Aus dem ersten Teil dieses Beitrages vom 03.11.2019: 

Denn es ist natürlich nicht so, dass egal was die Dachverbände tun oder sagen, sie wegen der ablehnenden Haltung der antimuslimischen deutschen Gesellschaft zum Scheitern verurteilt sind – dieses Narrativ diente jahrelang als interne Rechtfertigung für Fehlurteile oder öffentliche Fehler der Verbandsfunktionäre. 

Einige wichtige Meilensteine auf dem Weg der Verbände zu ihrem gegenwärtigen Zustand sollen veranschaulichen, welche Alternativen es gab und zu welchen Konsequenzen das faktische Handeln der Verbände geführt hat.)

Die Armenier-Resolution des Bundestages im Sommer 2016 und die Diskussionen im Vorfeld und im Nachgang zur Abstimmung im Bundestag markieren eine wichtige Entwicklung auf dem Weg der Verbände.

Islam in Deutschland – ein persönlicher Rückblick und eine Standortbestimmung – Teil 1

(Anmerkung: Der letzte Beitrag auf diesem Blog erschien auf den Tag genau vor einem Jahr. In dieser Zeit ohne aktuelle Beiträge waren fast 260.000 Textaufrufe zu verzeichnen – sollte dieses Interesse unverändert bleiben, wird im kommenden Jahr die Grenze von 1 Million Textaufrufen überschritten werden. Diese anhaltende Neugier auf meine Blogbeiträge hat mich dazu bewogen, nach einem Jahr der Stille wieder mit aktuellen Beiträgen in die Öffentlichkeit zu treten. Gleichzeitig danke ich allen Leserinnen und Lesern, die die hier veröffentlichten Texte mit Interesse verfolgen. Sie haben nun zusätzlich die Gelegenheit, ähnlichen Themen im Podcast unter www.dauernoergler.org zuzuhören. Der Podcast kann auch auf vielen bekannten Plattformen für Audio- und Videoinhalte gefunden werden.)

Ich saß vor dem Fernseher und sah dabei zu, wie Rauchschwaden aus einem der Hochhaustürme quollen. Ich erinnere mich an keinen Ton, nicht an die Stimme des Nachrichtensprechers, der die Livebilder kommentierte. Ich erinnere mich nur an die Bilder. Ich sah, wie ein Flugzeug in den zweiten Turm raste und fast zeitgleich mit der darauf folgenden Explosion ahnte ich, dass sich von nun an die Bedingungen meiner Existenz, die Voraussetzungen meiner Teilhabe an dieser Gesellschaft, in die ich hineingeboren wurde, dramatisch verändern würden.

Pride

Das Freitagswort vom 02.11.2018 trägt den Titel „Pride“. Ich habe dieses Freitagswort geschrieben. Mit dem Titel wollte ich auf zwei Details hinweisen: Auf die Achtung, die unsere muslimische Gemeinschaft queeren Menschen verweigert. Und den Hochmut unserer Gemeinschaft, diese Nichtachtung als Ausdruck von Frömmigkeit und vermeintlich moralischer Überlegenheit zu verstehen.

Freiheit und Befreiung

Das Datum zum Auftakt der vierten Runde der Deutschen Islamkonferenz nähert sich. Gleichzeitig wächst die Unruhe in den Kreisen des institutionellen Islam in Deutschland. Die Verbände geben ein unübersichtliches Bild ab: Aus den Führungsebenen ist praktisch nichts zu hören oder zu lesen. Es gibt keine offiziellen Statements, denen man eine ausführliche Analyse und Bewertung der bevorstehenden Gespräche entnehmen könnte.

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Der muslimischen Verbandslandschaft stehen Wochen und Monate bevor, die ganz wesentlich über ihre Zukunft in Deutschland entscheiden werden. Dabei steht der zahlenmäßig größte Verband, die Ditib, im Zentrum der Aufmerksamkeit. Eigentlich muss man es anders formulieren: Durch ihr Agieren insbesondere in den letzten zwei bis drei Jahren und vielleicht noch mehr durch ihre Passivität und Ignoranz während dieser Jahre hat sich die Ditib eigenhändig ins Zentrum dieser Aufmerksamkeit manövriert. 

Das identitäre Reinheitsgebot der Verbände

Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs werden mitverfolgt haben, dass ich mich in den letzten Beiträgen intensiver mit innermuslimischen Wahrnehmungs- und Verortungsprozessen beschäftige. Die Entwicklung der muslimischen Verbandslandschaft besorgt mich in zunehmendem Maße. Denn was gegenwärtig in dieser Landschaft zu beobachten ist, sind ethische Zerfallsprozesse, die nachdenklich stimmen.