Das identitäre Reinheitsgebot der Verbände

Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs werden mitverfolgt haben, dass ich mich in den letzten Beiträgen intensiver mit innermuslimischen Wahrnehmungs- und Verortungsprozessen beschäftige. Die Entwicklung der muslimischen Verbandslandschaft besorgt mich in zunehmendem Maße. Denn was gegenwärtig in dieser Landschaft zu beobachten ist, sind ethische Zerfallsprozesse, die nachdenklich stimmen. 

Mit Vollgas in die falsche Richtung

Erst kürzlich schrieb ich hier auf diesem Blog über die Schwierigkeiten, deutsche und türkische Selbstanschauungen zusammenzuführen und die Vielfalt subjektiver Selbstverortung als neue Normalität, als maximale Diversität zu akzeptieren. Ich habe mich dabei auf das Beispiel bezogen, das mir am vertrautesten ist: auf den Zustand der türkisch-muslimischen Bevölkerung in Deutschland. 

Nicht mein Held

Ich habe mich bereits gestern, vor dem letzten Teil der Rücktritts-Trilogie, zu Mesut Özils Erklärung kritisch geäußert. Meine Enttäuschung und Kritik an seiner Entscheidung, wie auch ihrer Begründung sind auch jetzt nicht schwächer sondern eher stärker geworden. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund des Überschwangs und der Lobeshymnen, mit denen seine Erklärung bei vielen Türkeistämmigen aufgenommen wird. Euphorische Fraternisierung („mein Bruder“) und ekstatische Heroisierung („eine Legende“, „endlich Rückgrat gezeigt“) überschlagen sich in den sozialen Medien. Ich kann diese Haltung nicht nachvollziehen. Ich kann in der Erklärung und Haltung Özils keinen Vorbildcharakter erkennen.

Dimensionen des Respekts

Ich finde, Mesut Özil hätte besser geschwiegen. Seine nun veröffentlichte Erklärung zu den Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet:

Was ist ein deutscher Islam? – Grundprobleme der Debatte

Die öffentliche Debatte um den Begriff des „deutschen Islam“ ist mit vielerlei Missverständnissen, Irrtümern und Fehlvorstellungen durchsetzt. Viele Stellungnahmen in dieser Debatte sind widersprüchlich oder folgen falschen Annahmen über „den Islam“ oder „die Muslime“. Im folgenden Beitrag sollen einige dieser Phänomene beschrieben werden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne kategorische Disqualifizierung der jeweiligen Vertreter dieser Positionen.

İç mihraklar

Komplo teorileri üretmekten bıkmayanlara, itaat ettiğine itaat etmeyeni düşman belleyenlere, kendinden farklı herşeyi ve herkesi ötekileştirenlere, daima büyük oyunları görenleredir bu sözüm:
„Sizden“, „bizden“. „Yol yürümek“. „Kullanılmayı istemek“. „Yaranmak“. „Göz kırpmak”. „Birilerinin adamı olmak”. Hayatını sadece bu kavramlar çerçevesinde yaşayabilmişsin.

Sehnsucht nach Größe

Die Parlamentswahlen und die Wahl zum Staatspräsidenten in der Türkei sind vorüber. Die Hoffnungen auf einen Wandel in der Türkei waren – in der Türkei und im Ausland – diesmal offenbar so groß, dass mit der neuerlichen Bestätigung der Machtverhältnisse die erneute Enttäuschung über die Entscheidung der türkischen Wahlberechtigten sich in noch gröberen Zügen und wiederholter Geringschätzung Bahn brach und in den öffentlichen Diskursraum vordrang. Insbesondere die türkischen Wahlberechtigten in Deutschland standen wieder im Fokus der Aufmerksamkeit.

In eigener Sache

Seit Dezember 2017 bis März 2018 habe ich keine Texte auf dieser Seite veröffentlicht. Dennoch verzeichneten meine Beiträge  in dieser Zeit  im Schnitt über 650 Aufrufe täglich. Diese Neugier und Aufmerksamkeit rühren mich. Sie sind mir gleichzeitig eine Ermutigung. Und das in einer nicht ganz einfachen Zeit.

Während der Weihnachtsfeiertage 2017 erhielt ich ein Schreiben meines damaligen Arbeitgebers. Der DITIB-ZSU e.V. ließ mir die Kündigung zustellen – ohne schriftliche Begründung.

Regelmäßige Leser meines Blogs werden wissen, dass ich seit dem Februar 2017 nur noch für die Bestattungsdienste der DITIB tätig war und den Bundesverband verlassen musste. Zeitgleich hatte ich alle meine Ehrenämter und Vertretungsfunktionen niedergelegt.

Mein Anliegen, die DITIB davon zu überzeugen, in die Rolle einer deutschen Religionsgemeinschaft hineinzuwachsen, sich als für die gesamte hiesige Gesellschaft verantwortliche zivilgesellschaftliche Institution zu verstehen, ist mit dieser Kündigung nun endgültig gescheitert. Mit einem solchen Engagement bin ich für die DITIB zum Fremdkörper geworden, den sie aus ihrer Organisationstruktur entfernen will.

Osmanische Krieger am Rheinufer

Die türkische Regierungspartei AKP bereitet sich intensiv auf die bevorstehenden Wahlen am 24.06.2018 vor. Auch in Deutschland. Die AKP hat ein „Yurt Dışı Seçim Koordinasyon Merkezi“ – offizielles Kürzel: AKYSKM. Das ist ein „Wahl-Koordinationszentrum für das Ausland“. Seine Aufgabe ist es, die Stimmen der im Ausland wahlberechtigten Türken für die AKP zu mobilisieren. Der Internetauftritt präsentiert sich unter dem Namen „hedef1milyon.net“. Das ist ein Wortspiel, mit welchem die Zielvorgabe der AKP verdeutlicht wird: Das klare Ziel sind 1 Million Stimmen für die AKP aus dem Ausland. Hauptzielgruppe dieser Mobilisierungskampagne sind die Wahlberechtigten in Deutschland.