Religion und Rechtspopulismus

(Anm.: Eine längere Fassung dieses Textes erscheint ab dem 20.09.2023 in der Reihe “Theologisches Forum Christentum – Islam” im Friedrich Pustet Verlag) Rechtspopulistische Bewegungen und Parteien prägen die gegenwärtige politische Landschaft in Europa. Es gibt kaum ein europäisches Land, in…

Fragen an die universitäre Islamische Theologie in Deutschland

(Anm.: Die Erstveröffentlichung dieses Textes erfolgte hier in der aktuellen “Frankfurter Zeitschrift für islamisch-theologische Studien”, im EB-Verlag Berlin)

Wer heute Islamische Theologie studieren möchte, hat die Auswahl unter den universitären Standorten in Erlangen-Nürnberg, Frankfurt/Gießen, Münster, Osnabrück, Tübingen, Berlin und Paderborn. Daneben gibt es in Baden-Württemberg an den Pädagogischen Hochschulen in Freiburg, Ludwigsburg, Karlsruhe und Weingarten die Möglichkeit, das Fach Islamische Theologie/Religionspädagogik mit dem Ziel der späteren Lehrtätigkeit im islamischen Religionsunterricht an Schulen zu belegen. Der Weg für dieses akademische Angebot wurde 2010 mit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Weiterentwicklung von Theologie und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen eröffnet. In diesen Empfehlungen heißt es einleitend: “Das Verfassungsrecht lässt hinreichende Spielräume für eine auch den Anforderungen der Wissenschaft angemessene Ausgestaltung des Verhältnisses des Staates zu Kirchen und religiösen Gemeinschaften im akademischen Feld, wenn auf allen Seiten die Bereitschaft besteht, die institutionellen Instrumente für seine Anwendung entsprechend weiterzuentwickeln.”

Kann man eine Moschee auf Misstrauen errichten?

Die Wuppertaler Ditib Gemeinde plant den Neubau einer Moschee. Das dafür vorgesehene Grundstück – gegenüber dem bisherigen Standort der Moschee – beherbergt ein Alternatives Zentrum, das dem Bauvorhaben weichen soll. Dem mit etwa 30 Millionen Euro veranschlagten Bauprojekt erteilte jüngst…

Das wirklich wahre Interview

Lennart Pfahler von der WELT hat kürzlich ein Interview mit Ali Mete, dem amtierenden Generalsekretär der IGMG geführt. Die Antworten Metes stehen für alles, was man an den muslimischen Verbänden kritisieren muss. Jeder Zeile von Metes Antworten kann man ansehen, dass sie im Bewusstsein dessen formuliert wurden, was Mete für sozial erwünscht hält. Das Problem, das Mete dabei hat und das durch die Zeilen des Interviews brüllend zu Tage tritt: Es gibt zwei soziale Öffentlichkeiten, deren Wünsche Mete erfüllen will. Er weiß, dass seine Mitglieder andere Antworten lesen wollen als die nicht muslimische deutsche Öffentlichkeit.

Wie heißt Du?

Noch ziehen die Rauchschwaden der Silvesternacht durch unsere Debatten. Die Augen brennen noch, die Ohren klingen nach, der Lärm und das Chaos beherrschen den öffentlichen Diskursraum. Dort, wo das Instinktive zum Vorschein kommt und jeden klaren Gedanken überdeckt, fallen wir zurück in eingeübte Rollen. Die empörten Lager bilden sich rasch entlang der ausgetretenen Pfade: Das rechte politische Lager fragt nach Vornamen. Das linke politische Lager denkt in Vornamen.

Keine Zukunft ohne Versöhnung, keine Versöhnung ohne Wahrheit – Gedanken zum 9. November

„Geht es wirklich um Versöhnung?“ Mit dieser Frage beginnt Mehmet Daimagüler seinen aktuellen Gastbeitrag zum Tode Mevlüde Gençs im SPIEGEL. Am Ende des Textes hat man das Gefühl, dass es eine unbeantwortete Frage bleibt. Daimagüler schreibt über das Engagement Mevlüde Gençs, die beim Brandanschlag von Solingen im Mai 1993 fünf Familienmitglieder verliert. Er würdigt ihren Einsatz gegen Hass. Aber Versöhnung? Dieses Wort, das häufig in Verbindung mit dem Wirken Mevlüde Gençs zitiert wurde, stellt Daimagüler gleich zu Beginn seines Textes in Zweifel. Er schreibt: „Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr Zweifel habe ich bei dieser Wortwahl. Setzt Versöhnung nicht einen Konflikt zwischen mindestens zwei Seiten voraus? Suggeriert er nicht, dass hier die Opfer und die Täter, dass alle Seiten gleichermaßen Beteiligte eines Konflikts sind – und damit moralisch gleich zu werten sind?“

Mitten in Berlin

In der vergangenen Woche war ich zu Gast bei der Verleihung des Leo Baeck Preises des Zentralrates der Juden in Deutschland an Cem Özdemir. Die Feier fand in Berlin Mitte statt. Buchstäblich im Zentrum unserer Hauptstadt. Die prägenden Begriffe des…

Der Hamburger Vertrag mit muslimischen Verbänden – 10 Jahre Stillstand

(Anm.: Eine Kurzfassung des Textes erschien auf https://www.experteninitiative-religionspolitik.de/)

Vor zehn Jahren unterzeichneten die Freie und Hansestadt Hamburg und die drei muslimischen Verbände, der DITIB-Landesverband Hamburg (DITIB), SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg (SCHURA) und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) einen Vertrag „mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den islamischen Religionsgemeinschaften partnerschaftlich weiterzuentwickeln“ – wie es u.a. in der Präambel des Vertrages formuliert wird.

Die satanischen Verse von heute

Bei dem Mordversuch an Salman Rushdie geht es nicht vorrangig um die Frage, ob das Ereignis einer satanischen Einflüsterung falscher Koranverse und die anschließende Korrektur dieser Verse durch eine göttliche Offenbarung historisch tatsächlich stattgefunden hat. Rushdie behandelt in seinem Roman in wiederkehrenden Wandlungen vielmehr die Frage des fundamentalen Zweifels an absoluten Gewissheiten und am „Absolutismus des Reinen“ – im Bezug zur Religion und im Bezug zur Identität.

Die mörderische Verteidigung der Männlichkeit

(Dieser Text erschien am 18.07.2022 als Gastbeitrag auf SPIEGEL-ONLINE) Was steckt hinter islamistischer Gewalt gegen Schwule? Es ist der Hass auf Männer, die ihre Maskulinität aufgeben. Vor einigen Tagen verübte ein norwegischer Staatsbürger iranischer Herkunft, der 42-jährige Zaniar M., in…