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haTikwa

Dieser Text ist kein Erfolg versprechendes Werk. Im Gegenteil trägt in der heutigen Zeit jeder Versuch, sich differenziert zu äußern, das Schicksal des Scheiterns bereits in sich. Denn wir leben in Zeiten des Zorns. Im Zorn ist kein Platz für Empathie, für den Versuch, sein Gegenüber zu verstehen, auch wenn man seine Ansichten nicht teilt, ja ihnen deutlich widersprechen möchte. Im Zorn ist kein Platz für das Zuhören, das Aushalten, das friedliche Ringen der Meinungen.

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Gefährlicher Mut

Das Urteil des OVG Münster zu den muslimischen Verbänden Islamrat und ZMD wurde auf diesem Blog bereits kritisch besprochen. Dass dies den Betroffenen nicht gefallen hat, ist anzunehmen. Zweck dieses Blogs ist es aber nicht, zu missfallen. Vielmehr soll durch eine möglichst öffentliche Debatte und auch durch deutliche Sprache ein Impuls zur kritischen Selbstreflexion über Probleme der muslimischen Community gesetzt werden.

Woran es gelegen hat

Am vergangenen Donnerstag hat das OVG Münster über die Klage des ZMD und des Islamrats auf Zulassung zum Religionsunterricht an öffentlichen Schulen entschieden und den Klägern bescheinigt, keine Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes zu sein.

Dieses Ergebnis wurde hier auf diesem Blog einen Tag vor Urteilsverkündung bereits vorausgesagt. Übernatürliche Kräfte waren dafür nicht erforderlich. Das Ergebnis war angesichts der tatsächlichen und rechtlichen Ausgangslage unausweichlich.

Meilenstein oder Eigentor?

Als Anwalt ist man stets dazu verpflichtet, seine Mandanten über die Risiken des Falles, der gewählten Strategie und der prozessualen Weichenstellungen zu beraten. Für einen verantwortungsbewussten Rechtsanwalt empfiehlt sich dabei stets der für den Mandanten sicherste Weg. Dazu gehört es auch, manchmal einen begonnenen Rechtsstreit nicht bis zu einer gerichtlichen Entscheidung fortzusetzen. Auch wenn man zu Beginn anstrebte, eine solche Entscheidung zu erhalten, kann sich die prozessuale und auch die tatsächliche Lage des Falles im Laufe eines Gerichtsverfahrens derart ändern, dass es klüger wäre, sich keine abschließende Entscheidung abzuholen.

Der Bruch im Verborgenen

Seit einiger Zeit thematisiere ich bereist in diesem Blog die Problematik einer nationalistisch-identitären Bewegung innerhalb türkisch-muslimischer Gruppen in Deutschland. Ein aktuelles Streitgespräch auf Facebook über die Doppelmoral in diesen Kreisen, insbesondere beim Thema Antisemitismus, lies mich aufhorchen.

Macht man sich die Mühe, aus dem Wust persönlicher Beschimpfungen und hässlicher, denunziatorischer Andeutungen, die Kernargumente herauszuschälen, stößt man auf folgende Denkfigur: Rassismus und Antisemitismus widersprechen dem Islam, also kann kein Muslim antisemitisch oder rassistisch sein.

Raus aus der Sackgasse!

Die Islamdebatte in Deutschland befindet sich in einer Sackgasse. Es handelt sich hierbei um eine tatsächliche und geistige Verengung, deren inhaltliche Fruchtlosigkeit kaum auffällt, weil dieser Umstand durch eine konfrontative Sprache der Abgrenzung zwischen vermeintlich „liberal“ und vermeintlich „konservativ“ übertönt wird.

Deutschland muss Deutschland bleiben!

Die Diskussionen um einen islamischen Feiertag veranschaulichen nach den zähen „Der Islam gehört zu“/“gehört nicht zu“-Diskussionen der jüngeren Vergangenheit erneut den Zustand der politischen Debatte um den Islam in Deutschland. Mal wieder offenbaren die Beiträge mehr über die Akteure selbst,…

Tür an Tür mit der AfD

Wahlabend: Die AfD zieht nun also mit etwa 13 % der Stimmen, mithin knapp 90 Parlamentssitzen, in den Deutschen Bundestag ein. Ob sie das mit einem Fackelzug durch das Brandenburger Tor feiern wird, ist zur Stunde noch offen. Was uns ab heute klar sein muss, ist nicht die Tatsache, dass Nazis wieder im deutschen Parlament sitzen. Das taten sie schon vorher. Schon seit Beginn des bundesdeutschen Parlamentarismus nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Unterschied ist: In der Vergangenheit war dies kein Grund, mit einer solchen Gesinnung zu kokettieren. Heute ist das anders. Heute kann man sich wieder öffentlich wünschen, andere Menschen zu „jagen“ und zu „entsorgen“, ohne dass das zum Ende der politischen Karriere und zur gesellschaftlichen Ächtung führt.

Offene Moscheen, jeden Tag

Egal wie die Bundestagswahl in knapp zwei Wochen ausgeht: Für die (türkisch)-muslimische Gemeinschaft in Deutschland wird danach nichts mehr, wie es war. Zu deutlich sind die Risse und Brüche der jüngeren Vergangenheit. Sie sind Zeichen einer Spannung, die sich zwischen dem statischen Selbstverständnis etablierter Akteure und der alltäglichen, dynamischen, beweglichen, agilen Wirklichkeit einer in Deutschland beheimateten muslimischen Selbstwahrnehmung immer wieder aufbaut und entlädt. Der politische Diskurs wird von diesem Spannungsverhältnis nicht unberührt bleiben.

Als ich 2014 neu in Köln ankam und die Akteure der muslimischen Verbandslandschaft persönlich in Aktion erleben konnte, zeichnete sich bereits ab, entlang welcher Linien diese Bruchstellen muslimischer Selbstverortung verlaufen. Ich traf auf einen damaligen Verbandsvertreter, der in einer Veranstaltung mit verschiedensten muslimischen Vertretern auf die Frage nach der Zukunft der Muslime in Deutschland schulterzuckend entgegnete, er sehe viele Entwicklungen sehr negativ. Aber am Ende sei ihm das auch egal. Seine Heimat sei die Türkei. Er lebe mit einem Bein in der Türkei und mit der Zukunftsperspektive, irgendwann seinen Lebensabend auch in der Türkei zu verbringen. Was hier in Deutschland passiere, sei dann nicht mehr sein Problem. Tatsächlich ist diese Haltung kein Einzelfall. Dieser Typus des muslimischen Verbandsvertreters ist vielmehr die Regel.

Trinken Identitäre eigentlich Cappuccino?

Der deutsch-türkische Diskurs leidet darunter, dass seine Akteure aneinander vorbeireden. Das geschieht nicht nur versehentlich oder aufgrund kommunikativen Unvermögens. Zuweilen ist zu beobachten, dass die Kommunikation in der einen oder anderen Sprache jeweils dazu dient, unterschiedlich akzentuierte Botschaften in die deutschsprachige oder eben türkischsprachige Gesellschaft zu tragen.

Es findet also selten eine offene Debatte über die jeweils kommunizierten Botschaften statt, bei der die Adressaten durch Gegenrede zur Schärfung und Präzisierung des Diskurses beitragen könnten. Ziel einer solchen Einbahnstraßen-Kommunikation ist es gerade, Gegenverkehr zu vermeiden und einseitig die eigene Botschaft an den Mann oder die Frau zu bringen. Das ist dann aber keine Debatte, sondern ein Selbstgespräch durch dessen repetitiven Charakter der Geltungsanspruch der eigenen unhinterfragten Position untermauert werden soll.

In diesem Blogbeitrag wollen wir versuchen, diese Mauer der einseitigen Vermittlung von Botschaften zu überwinden und tatsächlich so etwas wie einen Diskurs zu ermöglichen. Die im weiteren Verlauf des Beitrages angesprochenen Personen sind hiermit ausdrücklich eingeladen, den Disput gern auch auf dieser Plattform fortzusetzen.