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Nicht mit uns?

Man muss Lamya Kaddor dankbar sein. Ihre Initiative für eine Großdemonstration in Köln hat – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – viele Probleme sichtbar werden lassen. In ihren eigenen Reihen, in den Reihen ihrer Unterstützer und bei allen, die dem Aufruf ablehnend gegenüberstanden.

Den guten Willen, ein Zeichen gegen Gewalt und für eine geeinte Gesellschaft setzen zu wollen, darf man niemandem absprechen. Dieser gute Vorsatz sei allen unterstellt, die sich an der Initiative und den Diskussionen darüber beteiligt haben.

Gleichwohl hat das Scheinwerferlicht dieser Aktion viele Ecken ausgeleuchtet, die sonst eher im Dunkeln bleiben. Diese kurzen Momente des Sichtbarwerdens von Verwerfungen der „Islamdebatte“ gilt es, in diesem Beitrag zu besprechen.

Zunächst ist da die Ausgangssituation. Marek Lieberberg machte seinem Ärger über die erneute Störung seiner Interessen als Veranstalter beim „Rock am Ring“ lautstark Luft. Bereits im vergangenen Jahr musste das Festival aufgrund schwerer Unwetter abgebrochen werden. Auch damals war Lieberberg von der Entscheidung, das Festivalgelände zu räumen, nicht begeistert. Auch damals war sein Kommentar bissig. Von Fahnenflucht der Fans war die Rede und falschen behördlichen Entscheidungen.

Nach seinem aktuellen Ausbruch am 02. Juni folgte dann der Aufruf Kaddors am 07. Juni zunächst auf ihrer Webseite. In der anschließenden medialen Berichterstattung war davon die Rede, dass für Kaddor der Anschlag von Manchester „das Fass zum überlaufen“ gebracht habe.

Der Anschlag in Manchester fand in der Nacht zum 23. Mai statt. Der Anschlag in London wurde in der Nacht zum 04. Juni verübt.

Wir werden nie erfahren, ob es einen Demonstrationsaufruf auch ohne die Lieberbergsche Wutrede gegeben hätte. Es gab ihn jedenfalls nicht in den 10 Tagen nach dem Anschlag in Manchester bis zum besagten Ausbruch Lieberbergs. Das Fass war bis dahin offenbar noch nicht übergelaufen.

Dieses Detail mag trivial erscheinen. Bei manchen Muslimen führte es jedoch zu einem ablehnenden Reflex gegenüber dem Demonstrationsaufruf, der in diesem chronologischen Licht der Ereignisse als anbiedernde Pflichtschuldigkeit und Distanzierungsexzess auf Lieberbergschen Zuruf verstanden wurde. Von diesem Makel konnte sich die Aktion bis zum Ende nicht erholen.

Ambivalente Haltung im ZMD-Vorstand

Besonders augenfällig war das gespaltene Stimmungsbild – vielleicht auch exemplarisch für das Meinungsbild innerhalb der Verbände insgesamt – beim Führungspersonal des ZMD zu beobachten. Der ZMD führte offiziell die Unterstützerliste des Demonstrationsaufrufs auf Platz 1 an. Gleichzeitig gingen führende ZMD-Funktionäre bis auf oberster Ebene des Bundesvorstandes auf Distanz zu dem Kaddorschen Demonstrationsaufruf.

Stellvertretender Bundesvorsitzender des ZMD, Mehmet Alparslan Çelebi, postete auf seinem Facebook Account am 11. Juni, die öffentliche Erwartungshaltung gegenüber Muslimen, sich deutlich zu distanzieren und „auf die Straße“ zu gehen, sei „längst zu einem politischen Mittel geworden, Muslime und deren Verbände in „Gute“ und „Schlechte“ zu trennen.“ Die zahlreichen innermuslimischen Verurteilungen des Extremismus mit den Methoden der islamischen Lehre und Gelehrsamkeit sind für Çelebi etwas Anderes, als „wenn marginale Bewegungen Friedensmärsche organisieren um sich politisch und medial zu etablieren und die nicht existierende Basis durch Omnipräsenz in der Medienlandschaft zu ersetzen und schließlich Muslime und Verbände, die tagtäglich harte Basisarbeit machen, unter Druck zu setzen.“

Houaida Taraji, ebenfalls Mitglied im ZMD-Bundesvorstand, pflichtete ihrem Vorstandskollegen bei und kommentierte, seine Bewertung habe es „auf den Punkt gebracht“. Bemerkenswert insoweit als Taraji gleichzeitig auch als Unterstützerin des Demonstrationsaufrufes gelistet war und somit zwei gegensätzliche Positionen gleichzeitig vertrat.

Noch deutlicher wurde Nurhan Soykan, stellvertretende Bundesvorsitzende des ZMD, in ihrem Kommentar unter dem Posting ihres Vorstandskollegen Çelebi; „Vollkommen richtig, es bringt auch nicht viel, nur Distanzierungen und Beileidsbekundungen zu erneuern. Es wird Zeit, dass die Kriegstreiber, Waffenhändler und die Profiteure der Kriege entlarvt werden und gegen die Regierungen, die sie unterstützen protestiert wird. Es gibt nicht nur einen Bösen bei diesem Spiel.“

Man traut sich kaum, nachzufragen, was sie mit dieser Äußerung genau meint.

Zuletzt hatte sich auch noch Mohammed Khallouk, ebenfalls Mitglied des ZMD-Vorstandes, mit einem Beitrag im Tagesspiegel gegen öffentliche Aktionen „innermuslimischer Kleingruppen“ ausgesprochen. Man muss davon ausgehen, dass diese Formulierung nicht selbstkritisch auf den ZMD gemünzt war, sondern auf den Aufruf Kaddors zielte.

Damit haben sich vier von neun Vorstandsmitgliedern, darunter beide Vertreter Mazyeks, öffentlich gegen den Demonstrationsaufruf ausgesprochen. Sie konnten sich mit dieser Ablehnung aber nicht gegen ihren „Chef“ durchsetzen.

Denn öffentlich wahrgenommen wurde nicht dieser klaffende Riss im ZMD-Vorstand, sondern eher die Stellungnahme des ZMD-Vorsitzenden Aiman Mazyek in seinem Gastbeitrag in der FAZ. Dort wollte Mazyek dann auch nicht mehr die „Profiteure der Kriege“ entlarven, sondern den Extremismus. Dieser sei ein „areligiöser Nihilismus“ – was wohl als bloß stilistische Abwandlung der von Mazyek sonst beharrlich vertretenen Meinung – „Das hat nichts mit dem Islam zu tun!“ – gemeint war.

Was aus dieser Diagnose aber für die muslimischen Verbände resultiert, konnte auch Mazyek nicht greifbar formulieren. Er beklagte vielmehr, dass die deutlichen und zahlreichen Stellungnahmen, die es in den vergangenen Jahren von muslimischer Seite gab, nicht wahrgenommen werden. Warum das so ist, konnte sich auch Mazyek nicht erklären und verwies die Behauptung, Muslime würden sich nicht klar genug gegen Gewalt und Terror aussprechen, ins Reich der „Ammenmärchen“.

Zwischen Schein und Sein

Allerdings lieferte Mazyek – ohne sich dessen bewusst zu sein(?) –  im gleichen Text implizit eine mögliche Erklärung für die geringe Wahrnehmbarkeit muslimischer Stellungnahmen.

Mazyek führte aus: „Allein der ZMD organisierte in den vergangenen Jahren Demonstrationen in über 50 bundesdeutschen Städten. Erinnert sei hier nur an die Mahnwachen „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“, die in 1500 Moscheegemeinschaften stattfand (2014) oder an die Initiative des ZMD mit dem Titel „Aufstand gegen den Terror – Gesicht zeigen“ am Brandenburger Tor mit Vertretern des Staates, der Kirchen und aller namhaften zivilgesellschaftlichen Organisationen (2015).“

Allein der ZMD? Die Mehrheit der Leserinnen und Leser wird nicht wissen, dass die Aktion in 2014 von den KRM-Verbänden organisiert und in deren „1500 Moscheegemeinschaften“ durchgeführt wurde, wobei der ZMD eher Mühe damit hatte, die Aktion auch in seinen wenigen Gemeinden umsetzen zu lassen. Und die meisten Leserinnen und Leser werden sich nicht mehr daran erinnern, dass nach der Aktion 2015 eine unrühmliche Diskussion darüber geführt wurde, bei wem die Kosten der Veranstaltung am Brandenburger Tor letztlich hängen bleiben. Mazyek ließ damals verlautbaren, der ZMD könne nur ein Viertel der Kosten erstatten. Die anderen drei KRM-Verbände konnte er nur „einladen“ sich an den Kosten zu beteiligen – denn diese waren von den inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungen der Veranstaltung im Wesentlichen nicht informiert und wussten so auch nichts von irgendwelchen Kosten oder sonstigen Zusagen Mazyeks an die politischen Sponsoren der Aktion.

Es sind diese Erfahrungen des individuellen Inszenierungsdranges, die den Kaddorschen Aufruf im Hintergrund begleitet haben. Die Tatsache, dass der ZMD mit seinem Vorsitzenden Mazyek den Aufruf unterstützte – offenbar noch bevor im KRM überhaupt eine gemeinsame Haltung zu dieser Frage gefunden werden konnte – ist auch deshalb an Ironie kaum zu überbieten, da gegenwärtig Aiman Mazyek als Sprecher des KRM fungiert.

Vielleicht liegt es ja an diesem wenig koordinierten Vorgehen muslimischer Verbände, dass ihre Stimmen in der Vergangenheit kaum gehört werden konnten – und sie auch gegenwärtig kaum vernehmbar sind. Dass vor diesem Hintergrund in der Öffentlichkeit eher Märchen als Fakten zu der Arbeit der muslimischen Verbände kursieren, sollte da niemanden mehr verwundern. Es mag aber durchaus sein, dass die Vermischung von Wahrheit und Dichtung manchen Verbänden sogar ganz genehm ist.

Eine Wahrheit ist aber angesichts der geringen Teilnehmerzahl der Demonstration endgültig erkennbar geworden: Der Zentralrat ist in Wirklichkeit ein Marginalrat mit einem faktisch nicht vorhandenen Mobilisierungspotential. Und mit einem Vorsitzenden ohne Gefolgschaft in der Basis.

Kaddor packt die Trägheit beim Schopf

Kaddor wiederum hat sich im Vorfeld der Aktion im Grunde nur einer von den Verbänden selbst verschuldeten Lethargie bedient. Ob der Demonstrationsaufruf tatsächlich eine Reaktion auf die Wutrede Lieberbergs war, mag dahinstehen. Deutlich wird letztlich erneut, dass die Verbände nicht in der Lage waren und sind, schnell und eindeutig auf gesellschaftliche Stimmungen zu reagieren. Die meisten Verbandsvertreter waren wahrscheinlich noch damit beschäftigt, zu googlen, was „Rock am Ring“ überhaupt ist, als die ersten Presseanfragen zu den Lieberberg-Äußerungen eintrafen.

Als Kaddor schon an der Formulierung ihres Demonstrationsaufrufes feilte, waren die Verbände vermutlich noch damit beschäftigt, den Text für die Freitagspredigt ins Deutsche zu übersetzen. Kaum einer der Verbände dürfte tatsächlich wahrgenommen haben, was sich da anbahnt, bis die ersten Presseanfragen eine Stellungnahme erforderlich machten.

Diese Sätze sind nicht böse gemeint. Sie sollen nicht beschuldigen oder bloßstellen. Sie sind nur eine nüchterne Bestandsaufnahme realen Unvermögens, das für sich wiederum nicht als Abwertung verstanden werden soll. Es ist einfach die natürliche Entwicklung jeder Organisationsstruktur. Irgendwann kommt man nicht mehr mit. Irgendwann sind die Fähigkeiten und Kenntnisse überholt und nicht mehr tauglich, die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Die Zukunft hängt dann entscheidend davon ab, wie man auf diese Analyse reagiert.

Wer kauft heute noch einen Fernseher von Grundig? Oder ein Handy von Motorola?

Größe ist kein Zukunftsversprechen sondern immer nur eine Momentaufnahme. Sie kann nur bewahrt werden, wenn die Zeichen der Zeit erkannt und als Handlungsauftrag begriffen werden. Ob und was man den Verbänden zukünftig als glaubhaft abkauft, wird ganz entscheidend von deren eigenem Verhalten abhängen. Und an dem Punkt muss man sich zur Zuversicht geradezu zwingen.

Denn die gegenwärtigen Reaktionen – wie sie auch in dem oben dargestellten verzerrten Stimmungsbild innerhalb des ZMD pars pro toto als charakteristisch für die gesamte muslimische Verbandslandschaft herangezogen werden können – sind eher als Ausdruck eines grundlegenden Unverständnisses zu deuten.

Die großen drei KRM-Verbände haben mehr oder weniger deutlich aber inhaltlich mit nahezu deckungsgleicher Begründung die Unterstützung des Demonstrationsaufrufes abgelehnt. Man hätte eine solche Absage auch dazu nutzen können, die eigene Haltung zu dem brisanten Thema deutlich werden zu lassen. Man hätte eine eigene inhaltliche Positionierung darlegen und fundiert begründen können, statt sich auf die Kritik an Formalien zurückzuziehen. Der Verweis auf frühere Aktionen dokumentiert dabei lediglich, wie weit man davon entfernt ist, zu verstehen, dass Hinweise auf vergangene Stellungnahmen nicht mehr ausreichen.

Die Gesellschaft sucht nach Anknüpfungspunkten, um die auch von muslimischer Seite beschworene Einheit der Gesellschaft tatsächlich leben zu können. Sie hat den Eindruck, dass eine solche Demonstration muslimischer Haltung überfällig ist. Auf die Rationalität oder Begründetheit einer solchen Erwartungshaltung kommt es faktisch nicht an. Sie mag sogar ausdrücklich falsch sein.

In einer solchen Atmosphäre ist der retrospektive Hinweis auf vergangene Bewertungen des Extremismus aber lediglich ein Zeichen dafür, dass eben jene Aktionen der Vergangenheit immer noch nicht als unzureichend und ungenügend erkannt werden können. Das öffentliche Bedürfnis nach demonstrativen Straßenaktionen entsteht doch erst dort, wo über längere Zeit inhaltlich keine Substanz vermittelt wurde, wo keine verständliche Kommunikation der eigenen Positionen erfolgt ist, wo jegliches Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen fehlt, weil die sprachlichen und kulturellen Codes für die Erfassung von und die Reaktion auf diskursive Veränderungen schlichtweg fehlen – und die vorhandenen Ressourcen den Aufgaben einfach nicht mehr gewachsen sind.

Gesellschaftlicher Blindflug

Dabei hätten die Absagen nicht als Ausdruck von Gleichgültigkeit verstanden werden müssen, wären sie inhaltlich schlüssig begründet worden. Das Fehlen einer solchen Substantiierung und der trotzige Verweis auf stilistische und formale Spielregeln kommunizierte aber in der Außenwirkung die Botschaft gesellschaftlicher Teilnahmslosigkeit.

Ebenso hätten die Verbände öffentlich anbieten können, die Aktion um zwei Wochen zu verschieben, um gemeinsam mit den bisherigen Initiatoren an einem kooperativen Konzept zu arbeiten und die Überschneidung mit der Fastenzeit im Ramadan zu vermeiden. Damit hätten sie jedenfalls signalisiert, dass sie das gesellschaftliche Stimmungsbild richtig verstanden haben und grundsätzlich bereit sind, in der von ihnen präferierten Weise und mit von ihnen gestalteten Inhalten darauf zu reagieren. So hätten sie auch nach außen deutlich werden lassen, dass sie sich mit Gruppen und Personen, mit denen sie sonst gravierende inhaltliche Meinungsverschiedenheiten haben, dennoch im Interesse eines höheren, gesamtgesellschaftlichen Zieles verständigen können. Welche gesellschaftliche Chance sich den Verbänden jedenfalls mit einer grundsätzlich offenen Haltung und einem Versuch, die Initiative als eine gemeinsame Aktion zu gestalten, hier bot, konnten diese – wieder mal – nicht erkennen.

Stattdessen haben sie den Eindruck erzeugt, dass sie zur Zusammenarbeit mit den Initiatoren prinzipiell nicht bereit sind, weil sie ihnen falsche Absichten und unaufrichtiges Handeln unterstellen bzw. weil ihnen die Gesinnung der teilnehmenden „Kleingruppen“ nicht sympathisch ist. Das sind aber – welch Ironie – methodisch exakt die gleichen Vorbehalte und Ausgrenzungsmechanismen, die Muslime im gesellschaftlichen Kontext unter der Überschrift des antimuslimischen Rassismus oder der Islamfeindlichkeit beklagen.

Mit diesen Verhaltensmustern begeben sich die Verbände durch eigenes Tun immer mehr in die Rolle des bedeutungslosen, schlecht gelaunten Hinterbänklers. Gesellschaftlicher Einfluss und Größe wird sich so jedenfalls nicht mehr überzeugend behaupten lassen.

Dass all dies innerhalb der Verbände nicht erkannt wird, liegt weniger an einer ignoranten Einstellung als vielmehr an objektiver Unfähigkeit. Es fehlt schlicht das Gespür für den Puls der hiesigen Gesellschaft und die Wirkung des eigenen Handelns in ihr.

Oder doch Vorsatz?

Aber vielleicht sind sich die Verbände der Konsequenzen ihres Handelns durchaus bewusst. Man will das eigentlich nicht für möglich halten. Denn in diesem Fall gebe es nur zwei Deutungsalternativen:

Entweder haben sich die Verbände in einer Hybris der Selbstüberschätzung verloren und ziehen sich auf die Maximalposition des „Alles oder Nichts“ zurück, in der sie nur dann zum Handeln bereit sind, wenn sie und sonst niemand über jedes Detail bestimmt. Eine solche Haltung wäre Ausdruck fehlender demokratischer Reife, weil es im Bereich des gesellschaftlichen und politischen Handelns zur Grundmaxime unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung gehört, Vielfalt zu akzeptieren und mit den Mitteln der kritischen Auseinandersetzung und des Kompromisses zu Lösungen zu gelangen. Wer immer nur darauf pocht, alles zu bekommen, steht am Ende mit leeren Händen da.

Oder aber, die Verbände verweigern sich absichtlich dieser Gesellschaft. Das würde bedeuten, dass sie sich in Wirklichkeit ganz bewusst als fremde Statthalter und Sachwalter einer fremden Religion verstehen. Dass sie Deutschland als die Fremde begreifen und sich darin als geistig-religiöse Enklave, in der es ausschließlich darum geht, das Eigene in Abgrenzung zum Fremden zu bewahren.

An einem solchen Selbstverständnis müssen alle Erwartungen der Gesellschaft abprallen, weil es kein echtes Bedürfnis gibt, sich als integraler Teil der hiesigen Gesellschaft zu begreifen und Verantwortung für sie zu übernehmen. Im allerbesten Fall ist da dann nur Desinteresse und Gleichgültigkeit. Bisherige Aktivitäten, die unter dem Stichwort „gesellschaftlicher und politischer Dialog“ liefen, wären demnach nur Hinhaltemanöver oder diplomatische Gesten einer fingierten Gesprächsbereitschaft obwohl man sich schon längst in der Rolle der gesellschaftlichen Randgruppe eingerichtet hat und diese Wagenburg auch nie zu verlassen gedenkt. Dass man mit einer solchen Haltung letztlich nur die eigene Jugend um die Zukunft einer chancengleichen Teilhabe betrügt, wird den meisten wohl erst dann bewusst werden, wenn es schon zu spät ist – wenn überhaupt.

Angesichts dieser Deutungsalternativen ist die Theorie der schlichten Unfähigkeit und Überforderung für die Verbände wohl noch die schmeichelhafteste.

Engagement mit Geschmäckle

Zu diesem Unvermögen auf Verbandsseite gesellt sich nun in der Rückschau die Skepsis hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Kaddorschen Friedensmarsches. Ihr forscher Alleingang erinnerte an den Solovorstoß Mazyeks bei der Aktion am Brandenburger Tor 2015. Was damals als persönliche Inszenierung eines „muslimischen Statesman“ wahrgenommen wurde, scheint sich nun im Interesse der Dokumentation von Mobilisierungspotential wiederholt zu haben.

Will sich hier ein Verein ohne relevante Mitgliederzahlen durch das Potential der Straße den Anstrich gesellschaftlicher Relevanz zulegen? Wird das sang- und klanglos dahingedämmerte Projekt „MFD“ nun in Gestalt des „LIB“ als vermeintliche „Stimme der schweigenden muslimischen Mehrheit“ wiederbelebt?

Wobei an dieser Stelle das Argument, es handele sich um die Initiative von Einzelpersonen, nie wirklich überzeugt hat. Lamya Kaddor wird öffentlich nicht als Einzelperson, sondern als Vorsitzende des LIB wahrgenommen. Dass sie das nicht mehr ist, ändert nichts an dieser Wahrnehmung. Oder kennt irgendjemand den Namen der amtierenden LIB-Vorsitzenden?

Diese Fragen und das darin mitschwingende Unbehagen gegenüber Vereinnahmungstendenzen, mögen viele Muslime dazu bewogen haben, dem Demonstrationsaufruf nicht zu folgen. Denn glaubt man den bereitwillig verbreiteten Zahlen, wonach die Verbände vermeintlich nur eine Minderheit der Muslime vertreten, dann hätte sich dies bei der Kaddorschen Aktion in Gestalt tausender muslimischer Demonstrationsteilnehmer niederschlagen müssen.

Die schweigende Mehrheit hat gesprochen

Womit eine weitere Wahrheit deutlich geworden ist: Wer ab dem heutigen Tag weiterhin behauptet, für eine schweigende Mehrheit der Muslime zu sprechen, macht sich und seinem Publikum etwas vor. Nach dieser Resonanz – oder besser Nicht-Resonanz – muss konstatiert werden, dass die Mehrheit der Muslime entweder weiter schweigt und sich keinesfalls von vermeintlich „liberalen“ Einzelspielern vertreten sieht. Oder aber, sie fühlt sich bei den Verbänden wohl, auch wenn sie dort nicht mitgliedschaftlich organisiert ist.

Auch diese Worte sind nicht als gehässige Geringschätzung individueller muslimischer Akteure zu verstehen. Die oben beschriebene Wahrheit gilt es aber in Zukunft zu berücksichtigen, will man eine realistische Religionspolitik gestalten, statt sich immer wieder nur auf die utopische Suche nach muslimischen Lichtgestalten zu begeben. Denn die muslimische Basis hat sich insoweit erkennbar als resistent erwiesen.

Jedenfalls im Hinblick auf die Veranstaltungsvorbereitung hat der LIB bewiesen, dass er sich in nichts von den etablierten Verbänden unterscheidet. Deren Unvermögen, sich 2015 bei der Aktion am Brandenburger Tor auf eine gemeinsame, geschlossene Aktion zu verständigen, weil ein Akteur einfach im Alleingang Fakten schuf, wiederholte sich aktuell in nur leicht verändertem Gewand. Auch jetzt könnte es nur darum gegangen sein, dass ein Akteur seine Idee umsetzt und die damit verbundene soziale Anerkennung abschöpft und zu diesem Zweck bereit ist, alle anderen Akteure vor sich herzutreiben: Aus dem Kreis der bei den Vorbereitungen Involvierten war jedenfalls zu hören, dass es Querelen darüber gegeben haben soll, den Kaddorschen Aufruf als Auftakt für eine Reihe von Friedensmärschen in verschiedenen Städten zu nutzen und unter einem gemeinsamen Motto laufen zu lassen. Dazu hätte die Aktion auch in der Außendarstellung von Einzelpersonen gelöst und breiter aufgestellt werden müssen. Zu einer solchen gemeinsam orchestrierten Veranstaltungsreihe, heißt es, soll man – frei nach dem Motto: „Unsere Demo“ vs. „Eure Demo“ – nicht bereit gewesen sein.

So wurde wohl anfangs auch der LIB als Verantwortlicher im Impressum des Demonstrationsaufrufs geführt. Dies wurde dann offenbar schnell geändert und durch das Narrativ der individuellen Initiative Kaddors ersetzt. Als Unterstützer des Demonstrationsaufrufs tauchte der LIB dann nur noch auf Platz 2 hinter dem ZMD auf. Dadurch ergibt sich das kuriose Bild, dass der ZMD den Aufruf früher unterstützt haben soll, als Kaddors eigener Verein LIB.

Vertrauen schaffen solche Manöver eher nicht. Und auch das war auf dem Kölner Heumarkt zu sehen.

Wieder keine Gelegenheit verpasst, eine Gelegenheit zu verpassen

Auf die Idee, zunächst ohne öffentliche Begleitung innerhalb der muslimischen Landschaft für das Konzept einer gemeinsamen Aktion zu werben und diese in Trägerschaft vieler Organisationen und gesellschaftlicher Akteure umzusetzen, scheint man auch im LIB nicht gekommen zu sein. Der Vorsitzende des „Erstunterstützers“ ZMD, Aiman Mazyek, ist der aktuelle Sprecher des KRM. Eine Entscheidung aller im KRM vertretenen Verbände vor Veröffentlichung der Unterstützerliste war wohl dennoch nicht möglich.

Damit wurde erneut die Chance vertan, die unterschiedlichen Kompetenzen und Qualitäten der muslimischen Organisationen zu vereinen. Die medialen Reichweiten-Könige und -Königinnen „Ohneland“ (sprich ohne breite Gemeindebasis) verlassen sich darauf, dass alle anderen im Zweifel auch auf Druck durch Öffentlichkeit und Politik in die Gefolgschaft treten. Die gemeindlichen Basis-Könige wiederum halten es gar nicht für nötig, die medial populären Gesichter und deren Netzwerke und Fähigkeiten in die eigene Arbeit einzubinden. Statt diese Potentiale zusammenzubringen, verwaltet jeder lieber eifersüchtig sein eigenes kostbares soziales Kapital.

Um ehrlich zu sein, wäre eine solche gemeinsame Aktion auch schwer vorstellbar gewesen. Zu intensiv und zu lange schon gibt es Bestrebungen, die Legitimation der etablierten Verbände zu Gunsten wesentlich kleinerer aber inhaltlich genehmerer Player zu relativieren. Wie will man da mit der Idee einer gemeinsamen Aktion auf Verbände zugehen, deren Existenzberechtigung in der öffentlichen Debatte wiederholt in Frage gestellt worden ist? Wenn im öffentlichen Diskurs das eigene Profil immer nur alternativ zu der breiten Masse der verbandlich organisierten Muslime geschärft worden ist, kann aus einer solchen Haltung schwerlich eine kumulative Aktion folgen. Wie konsequent kann – in einem übertragenen Sinn verstanden – aber dann der gleichzeitige Aufruf, die Gesellschaft nicht in „IHR“ und „WIR“ spalten lassen zu wollen, überhaupt noch sein?

Kaum, muss die Antwort wohl lauten, betrachtet man den Rückfall aller Beteiligten in wechselseitige Marginalisierungsnarrative unmittelbar nach der Absage der Verbände. Statt sich darüber Gedanken zu machen, woran ein gemeinsames Handeln scheiterte, fielen alle Seiten zurück in gegenseitige Zuschreibungen darüber, wer die ehrenvollere Absicht, das muslimischere Profil oder die demokratischere Gesinnung hat. Besonders tragisch ist, dass sich gar bundespolitisch aktive Parteivertreter als Sekundanten ihrer muslimischen Favoriten an solchen Schlammschlachten beteiligen. Demokratisch und liberal ist das alles nicht mehr.

Im Gegenteil: Sollte es nicht die Absicht der Initiatoren gewesen sein, durch diese Demonstration die muslimische Community in „sichere“, „ungefährliche“ und auf der Gegenseite „gefährliche“, „problematische“ Muslime zu separieren, so haben sie aber – fast mehr noch als die Absagen selbst – durch ihre Reaktionen darauf eben genau diese Wirkung befördert. So wurde die Demonstration noch im Vorfeld zu einer Art demokratischer „Abrenuntiatio diaboli“ – zu einer feierlichen Entsagung von dem Bösen – stilisiert, bei der alle nichtteilnehmenden Muslime nun zum Objekt gesellschaftlicher Skepsis und Segregation disqualifiziert werden.

Als ethischen Tiefpunkt dieser Reaktionen darf man wohl die rhetorische Entgleisung Volker Becks betrachten, der mit Blick auf DITIB vom „Problembären“ der muslimischen Verbandslandschaft sprach. Wer in Zeiten eskalierender Angriffe auf Muslime und Moscheen so redet, bereitet zum billigen Preis einer neckischen Schlagzeile gedanklich das Feld für jene, die Muslime lieber heute als morgen „zum Abschuss freigeben“ wollen. Bei aller auch berechtigten Kritik an den Verbänden: Mit verantwortungsvoller Politik hat das nichts mehr zu tun.

Währenddessen träumen alle Akteure natürlich wahlweise weiter von „muslimischer Einheit“ oder gesellschaftlicher Einigkeit.

Kaddor und die Verbände ticken gleich

Dabei – und das ist die groteske Komik der Situation – sind die verbandlichen Kritiker des Demonstrationsaufrufs und ihre Urheberin inhaltlich überhaupt nicht auseinander. Beide Seiten suchen ihr Heil in der „Wegtakfirisierung“ des Problems. Das ist aber von der Idee her nichts anderes als die Methode des IS. Der IS versucht, alle anderen als „Nichtmuslime“ oder „Nichtmehrmuslime“ zu klassifizieren, um der eigenen Ideologie folgend deren Tötung zu legitimieren. Die Verbände und auch Kaddor erklären wiederum die IS-Täter zu „Nichtmuslimen“, um sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen zu müssen. Der Unterschied zwischen Kaddor und den Verbänden liegt nur noch im Timing und in der dekorativen Verpackung der Botschaft: Die Verbände erklären die Täter zu „Nichtmuslimen“ und sich damit für unzuständig. Kaddor erklärt die Täter für „Nichtmuslime“ und sich konkludent für die „wahre Muslimin“ – und damit zu einem legitimen Adressaten für gesellschaftliche Solidarität.

Das Problem ist nur: beide „eliminieren“ das Problem nicht. Die IS-Täter werden weiterhin „konservative“ Muslime in ihren Moscheen und „liberale“ Muslime zusammen mit ihren nichtmuslimischen Freunden im Straßencafé in die Luft jagen. Daran ändert leider kein Friedensmarsch etwas. Das war sicher auch den Unterstützern der Aktion bewusst. Es ging ihnen deshalb, so wurde von Seiten Kaddors immer wieder unterstrichen, um eine „Positionierung gegen den Extremismus“. Aber was heißt das eigentlich genau? Und ist diese Positionierung – wie sie mit den Formulierungen im Aufruf, mit den begleitenden medialen Proklamationen und letztlich der Demonstration selbst vorgenommen wurde – wirklich sinnvoll?

Wir und das Meer

Die Wellen des Extremismus werden weiter an die Ufer unserer Gesellschaft schlagen. Weder nützt es uns, gemeinsam mit Freunden demonstrativ ins Landesinnere zu marschieren und den Gefährdern den Rücken zuzukehren. Noch wird es helfen, einfach eine Mauer am Ufer zu errichten, um so vom Anblick der Fluten verschont zu bleiben. Das Meer des Extremismus findet seinen Weg. Es wird nicht verschwinden. Es wird immer wieder an das Ufer und über jede noch so hohe Mauer branden, je mehr wir uns durch bloße Verurteilung oder Distanzierung oder demonstrative Abgrenzung darum bemühen, die Wellen des Hasses, des Unwissens, der Unzufriedenheit, der Entkulturalisierung nur zu ignorieren, nur zu ächten. Denn es ist völlig egal, ob diese Wellen „muslimisch“ oder „nichtmuslimisch“ sind. Diese Wellen werden von Menschen verursacht.

Kaddor hat sicher nur die besten Absichten, wenn sie den Tätern zuruft: „Ihr seid nicht wir und wir sind nicht ihr!“ Ebenso haben die Verbände sicher nur die besten Absichten, wenn sie den Tätern zurufen: „Ihr seid keine Muslime!“

Aber beide verkennen, dass die Täter nicht das absolut Böse, nicht Monster, nicht irgendwelche außerirdischen Feinde sind. Sie sind unsere Mitmenschen, Kollegen, Nachbarn, Söhne, Brüder – denn aus diesen versucht der IS Täter für sich zu rekrutieren. Wie wollen wir diese Menschen erreichen und ihre Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft gegenüber eindämmen oder umkehren, wenn wir ihnen zurufen: „Ihr seid nicht wir!“?

Die Täter und ihre Sympathisanten, also die potentiellen Täter von morgen, handeln doch gerade auf dem Höhepunkt ihrer Abwendung von dieser Gesellschaft, von unserem kollektiven Wir. Ihre Taten sind doch nichts Anderes als der gleiche, sich gewalttätig manifestierende Ausruf: „Ihr seid nicht wir!“ / „Ihr seid keine Muslime!“

Genau diese Abkehr von der Gesellschaft erhofft der IS sich doch als Anknüpfungspunkt für seinen Gewaltaufruf gegen diese Gesellschaft. Er muss die Täter von morgen erst in dem Gefühl der vollständigen Entfremdung von dieser Gesellschaft bestärken, um die Gewaltbereitschaft ihr gegenüber abrufen zu können.

Deshalb ist es auch falsch, zu behaupten, der Terror habe nichts mit dem Islam zu tun. Wer das behauptet, beraubt sich des wirksamsten muslimischen Mittels gegen den Terror. Die Taten haben etwas mit dem Islam zu tun. Denn die Täter berufen sich auf ihn. An diesem Punkt sind wir Muslime in der Verantwortung. Wir müssen den potentiellen Tätern die islamischen Konsequenzen ihres Verhaltens vor Augen führen. Wir müssen ihnen darlegen, warum wir gegen Terror und Gewalt sind. Nämlich gerade weil wir Muslime sind. Wir müssen dagegen ankämpfen, dass sich zukünftige Täter von dem Weg der muslimischen und der gesellschaftlichen Mitte entfernen.

Und deshalb dürfen wir in der Mitte unserer Gemeinden, unserer muslimischen Gemeinschaft keine graduell abgestuften Narrative der Entfremdung, der Abgrenzung und der Abkehr von der hiesigen Gesellschaft dulden. Leider gibt es diese und bei der Sensibilität für dieses Problem gibt es noch viel Verbesserungspotential.

Die Taten haben aber auch etwas mit unserer Gesellschaft zu tun. Da sind wir alle als Gesamtgesellschaft in der Verantwortung. Wer das Gegenteil behauptet, wer meint, der Terror sei ein importiertes Problem, käme von außen, habe nichts mit unseren Lebensumständen zu tun, beraubt sich damit jeglicher Möglichkeit, hier vor Ort gesellschaftlich dem Terror entgegenzuwirken. Und er akzeptiert von vornherein die Grundbedingung des Terrors, nämlich die soziale Entfremdung der Täter.

Das heißt, auch wir als Gesellschaft dürfen in unserer Mitte keine Narrative der Alienisierung, der Ausgrenzung und der Doppelstandards pflegen. Wenn wir uns in diesem Widerstreit als die Seite des Guten begreifen, müssen wir auch konsequent so handeln. Das heißt, jede Facette unseres gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Handelns muss auch glaubhaft diesem Anspruch genügen. Bei der Sensibilität für dieses Problem gibt es leider auch noch viel Verbesserungspotential.

Vor dem Hintergrund dieser Gedanken ist es erstaunlich, wie schnell und ohne Zögern ein so breiter Querschnitt durch Gesellschaft und Politik bereit war, sich mit den Kernaussagen dieser Demonstration zu solidarisieren und sich damit so weit entfernt wie möglich vom Kern des Problems zu positionieren. Wenn aber jede Bindung, jede Nähe, jeder Bezug zu den Tätern geleugnet und damit gekappt wird, wenn wir sogar ihre Ausgrenzungsparolen sinngemäß übernehmen, diese gegen sie wenden und damit aber letztlich auch nur unüberlegt reproduzieren, wie soll es uns dann noch gelingen, diese Menschen zu erreichen und etwas an ihrer Denkweise und ihrer destruktiven Handlungsbereitschaft zu ändern?

Diesen Fluten müssen wir doch gemeinsam Land abtrotzen. Denn dieses Meer wird nicht einfach verschwinden. Nicht mit einer „Islamreform“, nicht mit einem „Islamgesetz“, nicht mit politisch opportunen „Religionsgemeinschaften“, nicht mit „modernen“ theologischen Lehrstühlen, nicht mit „liberalen Moscheen“, nicht mit Friedensmärschen, auf denen wir der Verachtung nur mit distanzierter, bequemer Ächtung entgegnen und so das Problem von uns wegschieben.

Dieses Meer des Gewaltpotentials wird ständig präsent sein und es wird durch gesellschaftliche Ausgrenzungstendenzen – innerhalb der muslimischen wie der nichtmuslimischen Gesellschaft –  immer weiter steigen. Deshalb müssen wir dem Meer immer wieder und unaufhörlich Land abringen. Wir müssen um jeden Zentimeter Boden streiten. Wir dürfen uns nicht entfernen oder uns distanzieren – auch nicht mit Stellungnahmen oder Demonstrationen. Wir dürfen Unangenehmes nicht leugnen oder die Augen davor verschließen. Wir müssen mitten hinein in die Brandung. Wir müssen viel näher ran.

Aber wenn „nicht mit uns“? Mit wem denn dann?

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